Bahnfahren: Kinderleicht und immer beliebter!

In einer siebenteiligen Serie beleuchten wir das Mobilitätsverhalten der ÖsterreicherInnen. Wie sind wir unterwegs? Und was hat sich in den letzten 20 Jahren verändert? Die vierköpfige Familie Flink begleitet uns durch diese Serie.   

Illustration: Daniela Waser / www.oteloegen.at

"Hast Du schon alles hergerichtet? Und hast Du schon geschaut, welche Züge ihr nehmt?", Mama Andrea ist etwas genervt, dass sich ihr Sohn immer noch nicht auf den morgigen Schulausflug vorbereitet hat. Es ist Tobias' erster Schulausflug, der per selbstständiger Anreise – zuerst mit dem Bus und dann weiter mit dem Zug – organisiert wird. "Soll ich dich nicht doch mit dem Auto hinbringen und auch wieder abholen?", hakt Mama nach.

Auch Tobias ist etwas genervt. Er kann nicht verstehen, warum Mama solchen Stress macht. Für ihn ist alles klar. Er weiß, wann die Züge fahren: "Mama, das ist ja echt nicht schwer. Hin geht ein Zugimmer um 14 und 44 Minuten nach der vollen Stunde. Retour ebenfalls jede halbe Stunde um 10 und 40 nach. Das Umsteigen zum Bus dauert nur fünf Minuten. Du brauchst mich nicht zu führen." Mama ist etwas verblüfft: "Echt, so leicht ist das? Ich kann mich noch sehr gut an meine Bahnfahrten mit der Schule erinnern. Wir haben immer das Fahrplanheft mitgenommen und jedes Mal nachschauen müssen." Und noch einmal überrascht sie ihr Sohn: "Das nennt man integrierten Taktfahrplan, die Schweizer haben den auch." Als Vorbereitung auf den Zugausflug gab es in der Schule auch noch Infos über das Bahnsystem in Österreich. Damit kann Tobias jetzt schön punkten.

Im Unterricht haben sie auch gelernt, dass es heute auf einzelnen Strecken nicht nur einen Bahnanbieter gibt. Sie haben erfahren, wie sich das positiv auf den Preis auswirkt und dass sich die Fahrgastzahlen dadurch erhöht haben - siehe Grafik Entwicklung der Fahrgastzahlen am Beispiel der Westachse. Insgesamt sind heute viel mehr Personen mit dem Zug unterwegs als vor 20 Jahren. Einer der Gründe für die steigende Beliebtheit des Bahnfahrens ist der intensive Ausbau der Infrastruktur - siehe Grafik Zunahme der Verkehrsleistung bezogen auf 1995. Im Zuge der Bahnhofsoffensive wurden Bahnstationen in ganz Österreich modernisiert - von Graz über Linz bis Salzburg und Wien, aber auch kleinere wie Attnang-Puchheim und Bruck an der Mur profitierten davon. Die Verkehrsleistung der Bahn ist in den letzten 20 Jahren mit +49 % stärker gestiegen als die des motorisierten Individualverkehrs (+37 %) - siehe Grafik Verkehrsleistung je Hauptverkehrsmittel pro Werktag.

Mama Andrea freut sich, dass sich ihr Sohn für die Bahn begeistert. "Das liegt in den Genen", sagt sie und erzählt Tobias von ihrem Abenteuer Interrail: einer Bahnreise quer durch Europa. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: "Wenn Du so etwas machen willst, musst Du Dich aber wirklich ordentlich vorbereiten." Was beide noch nicht wissen: Österreich und die Schweiz sind nicht die einzigen Länder in Europa, die auf einen integrierten Taktfahrplan bauen. In den Niederlanden , existiert er ebenso wie hier in Österreich bereits seit Jahren.. Andere Länder wie Deutschland sind gerade dabei, neben bestehenden, gut ausgebauten Hochleistungsstrecken einen integrierten Taktfahrplan zu errichten. Auch Frankreich ist schrittweise auf dem Weg zu einem netzweiten Taktfahrplan - siehe Grafik Modal Split nach Verkehrsleistung in verschiedenen Staaten.

Wussten Sie, dass...

... die ÖsterreichInnen EU-weit Nummer EINS bei der Bahnnutzung sind: durchschnittlich legen ÖsterreicherInnen 1.426 Bahnkilometer pro Jahr zurück (2014). Über tausend Bahnkilometer pro Einwohner und Jahr erreichen nur fünf weiter Staaten, nämlich Frankreich, Dänemark, Schweden, Deutschland und die Niederlande.

... im Zuge der Bahnliberalisierung die Anzahl der Fahrgäste auf der Westachse in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Relativ konstant wählen auf dieser Strecke rund drei Viertel der Bahngäste die ÖBB und ein Viertel die Westbahn. Insgesamt gab es einen Zuwachs der Fahrgäste seit 2010 um rund 24 %.  Die Investitionen auf der Westachse haben sich ausgezahlt: Auf der nun viergleisig ausgebauten Strecke, welche sukzessiv eröffnet wurde, kamen größere Bahnhöfe wie zum Beispiel Salzburg, Attnang-Puchheim, Linz und St. Pölten in den Genuss umfassender Modernisierungen. Die volle verkehrliche Wirkung entfaltet sich seit Dezember 2015, als der neue Hauptbahnhof Wien eröffnet wurde. Schrittweise wird nun der integrierte Taktfahrplan umgesetzt. Das heißt, dass es zu fixen Zeiten einer jeden Stunde eine Anschlussverbindung gibt und die einzelnen Anschlüsse auch aufeinander abgestimmt sind - siehe Grafik Entwicklung der Fahrgastzahlen am Beispiel der Westachse.

… die Verkehrsleistung bezogen auf 1995 deutlich zugenommen hat. Während die Personentransportleistung per PKW kontinuierlich zugenommen hat, sind die langfristigen Investitionen ins System Bahn gut erkennbar: durch größere Investitionen wie den viergleisigen Ausbau der Westbahn, die neue Unterinntalbahn (von der deutschen Grenze bis zur Umfahrung Innsbruck, Eröffnung 2012) und dem Hauptbahnhof Wien holt die Schiene seit zirka 2004 deutlich auf - siehe Grafik Zunahme der Verkehrsleistung bezogen auf 1995.

…. das System Bahn, trotz schwieriger Rahmenbedingungen sich steigender Beliebtheit erfreut: In den letzten zwanzig Jahren ist die Verkehrsleistung im Schienenverkehr um 49 % gestiegen, während der motorisierte Individualverkehr bei den LenkerInnen im selben Zeitraum um 37 % anzog. Investitionen ins System Bahn lohnen sich, wie an diesen Werten deutlich abzulesen ist.
Bedeutung hat auch die Erkenntnis, dass bei einem geringen Bevölkerungswachstum von 8 % die Gesamtverkehrsleistung um 33 % gestiegen ist. Hier muss aus Sicht des Klimaschutzes weiter angesetzt werden - siehe Grafik Verkehrsleistung je Hauptverkehrsmittel pro Werktag.

… ein wesentlicher Aspekt, um das System Bahn optimal auszuschöpfen, die Frage der Bewältigung der ersten und letzten „Meile“ ist. In peripheren Bezirken (Definition laut Karte) stieg die Benutzung des Fahrrades als Zubringer zur Bahn in den letzten zwanzig Jahren um 51 %. In zentralen Bezirken nahm hingegen die Benutzung des motorisierten Individualverkehrs als Zubringer zum Bahnhof mit 48 % deutlich stärker zu als das Fahrrad (29 %).
Österreichweit kommen knapp ein Viertel der Bahnfahrer mit dem motorisierten Individualverkehr zum Bahnhof, knapp 10 % mit dem Fahrrad. Während die Prozentsätze der Radfahrer österreichweit wenig differieren, steigt der Anteil der mIV-Nutzer an, je ländlicher und peripherer ein Bezirk gelegen ist – siehe Grafik Anteil der intermodalen Wege mit der Eisenbahn und Schnellbahn.

... Staaten, die über einen integrierten Taktfahrplan verfügen,einen deutlich höheren Anteil der Verkehrsleistung auf die Schiene transferiert bekommen. In der Grafik Vergleich der Modal Split-Werte nach Verkehrsleistung im Schienenverkehr 2015 sind die Niederlande und Österrreich als Beispiele herausgegriffen und werden mit Ländern verglichen, die über ein gut ausgebautes Netz an Hochleistungsstrecken verfügen. Trotz hoher Investitionskosten von Frankreich und Deutschland in das Schienennetz bzw. das Hochleistungsstreckennetz liegt die Verkehrsleistung um ein bis drei Prozentpunkte unter jenen Staaten mit einem integrierten Taktfahrplan. Im europäischen Vergleich liegt Österreich im System Schiene mit 11 % der Verkehrsleistung im Spitzenfeld!
Definition integrierter Taktfahrplan: Ein Taktfahrplan ist ein Fahrplan, bei dem Linien des öffentlichen Personenverkehrs in regelmäßigen, sich periodisch wiederholenden Abständen betrieben werden (zum Beispiel jede Stunde um 14 und 44 Minuten nach der vollen Stunde). Von einem integrierten Taktfahrplan spricht man, wenn möglichst viele bis alle Umsteigebeziehungen aufeinander abgestimmt sind, sodass noch zusätzlich zum Taktfahrplan die Umsteigezeiten minimiert werden.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer entgeltlichen Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit).

Interesse an der Serie?

Hier geht es zu Teil 1: Wie sich die Zeiten doch ändern!
Hier geht es zu Teil 2: Wie sind wir täglich unterwegs!
Hier geht es zu Teil 3: Wie unterscheidet sich das Mobilitätsverhalten der urbanen zur ländlichen Bevölkerung?
Hier geht es zu Teil 4: Wie sich der Schulweg geändert hat?
Hier geht es zu Teil 5: Radfahren ist immer attraktiv, bei Sonnenschein und warmem Wetter ganz besonders!

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Österreich unterwegs

Die österreichweite Mobilitätserhebung "Österreich unterwegs 2013/2014" ist die erste dieser Art seit 20 Jahren. 

Ziel der Serie

In sieben Teilen streichen wir die zentralen Aspekte der Mobilitätserhebung heraus.

Ziel ist es, dass Verantwortliche in Gemeinden, Städten und Regionen ihre Entscheidungen im Mobilitätsbereich auf Basis von soliden Daten treffen können.

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