Klimaschutz als Wirtschaftschance

Klimabündnis-Betriebe haben 2015 47 Prozent CO2 eingespart und erreichen schon jetzt Pariser Klimaziele. 

v.l.n.r.: Dr. Hubert Pupeter (Leiter Umweltcenter), Markus Plunger (tech. Leiter Krankenhaus St. Josef), LR Rudi Anschober, Norbert Rainer und Klaus Grininger (beide Klimabündnis)

Klimaschutz ist nicht nur eine gesellschaftliche Herausforderung, um die Lebensgrundlagen für unsere nachfolgenden Generationen zu bewahren, sondern auch eine große wirtschaftliche Chance. In dreifacher Hinsicht: Erstens ist das Risiko der Standortgefährdung durch unterschiedliche Auflagen für Wirtschaftsbetriebe durch den Weltklimavertrag weitgehend gebannt. Zweitens entsteht durch den Weltklimavertrag und den dadurch folgenden Umbau ein riesiger Weltmarkt grüner Technologien und drittens rechnet sich Klimaschutz auch für die engagierten Unternehmen durch geringe Betriebs- und Energiekosten. CO2 einsparen und damit auch Geld sparen – das ist die Zukunft. Das belegt nun die aktuelle Evaluierung von 38 der über 600 Betriebe im Klimabündnis, die 2015 gemeinsam 47 Prozent CO2 eingespart haben und damit gleichzeitig über 200.000 Euro an Kosten.

Zwei tolle Projekte zeigen die Umsetzung heute vor: Das Krankenhaus Braunau hat seit 2009 die CO2-Emissionen um 35 % verringert, den Wasserverbrauch um 30 %. Die Raiffeisenbank Gunskirchen hat mit dem Umweltcenter ein Vorzeigeprojekt mit nachhaltigen Produkten ins Leben gerufen, allein von 2011 bis 2014 konnte eine CO2-Einsparung in der Höhe von 34 % erreicht werden.

LR Rudi Anschober: „Nach meiner Teilnahme an der Weltklimakonferenz in Marrakesch bin ich bestärkt: aktuell ist unserer Chance, den Klimaschutz auch wirtschaftlich zu nutzen! Mit Maßnahmen zur CO2-Einsparung können jede und jeder einzelne einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten – und damit Geld sparen. Wir haben es mit Technologieförderung und Vordenken aber auch jetzt in der Hand, zu globalen Marktführern zu werden.“

Betriebliche Umweltoffensive in OÖ

Im Rahmen der betrieblichen Umweltoffensive (BUO) bietet das Land Oberösterreich und seine Partner, der O.Ö. Energiesparverband und das Klimabündnis OÖ geförderte Beratungsleistungen für Betriebe und öffentliche Einrichtungen in OÖ an.

Mit diesem Angebot sollen vorhandene Potentiale und Maßnahmen zur Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz, der Anwendung erneuerbarer Energieträger, zum Schutz des Klimas und Vermeidung von Abfällen erkannt und aufgezeigt werden.

Zudem soll beim Aufbau von betrieblichen Umweltmanagementsystemen unterstützt werden und eine Konzeption und Planung von Investitionsmaßnahmen erfolgen.

Im Bereich des Klimaschutzes agiert das Klimabündnis OÖ als Partner für Betriebe: Ein Energie- und Klimacheck aller wichtigen Betriebsbereiche, Ermittlung von Einsparpotential und Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten sowie öffentlichkeitswirksame Auszeichnung und Präsentation der Betriebe sind die wesentlichen Eckpunkte von "Betriebe im Klimabündnis/Klimarettung".

Betriebe im Klimabündnis schonen Umwelt und sparen Geld

Wie gelungen sich Klimaschutz und Unternehmertum ergänzen lassen, unterstreichen die derzeit rund 600 Betriebe im oö. Klimabündnis-Netzwerk. Diese nachhaltig geführten Betriebe kommen aus den unterschiedlichsten Branchen und haben sich dem Verbessern ihrer eigenen Klimabilanz verschrieben: Gemeinsam mit dem Klimabündnis haben sie Maßnahmen erarbeitet, die sie schrittweise umsetzen.

Die Nachfrage für das Programm „Betriebe im Klimabündnis“ ist groß und die Anzahl an Betrieben wächst stetig: Immer häufiger entscheiden sich Unternehmen für ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz. Im Jahr 2015 wurden 80 neue Betriebe im Klimabündnis willkommen geheißen, 2016 werden es voraussichtlich um die 70 sein. 

Um Wirkung und Fortschritt der vereinbarten Maßnahmen erfassen zu können, werden Betriebe im 4-Jahresintervall überprüft und entsprechende Erfolge dokumentiert. Als Grundlage hierfür dienen tatsächliche Verbrauchswerte, welche bei der Erstaufnahme erhoben und später mit aktuellen Werten verglichen werden.

Energieeinsparungen bei KB-Betrieben: -22 % bei Wärme

Für das Jahr 2015 liegen nun die Ergebnisse der 38 Evaluierungen vor: Die Betriebe sparten in den erhobenen Bereichen Mobilität, Gebäudewärme und Produktion im Schnitt 16 % an Energie ein. Die größten Einsparungen konnten mit 22 % im Wärmebereich erzielt werden. Ebenso herausragend sind die Einsparungen im verhältnismäßig anspruchsvollen Mobilitätsbereich, wo im Jahr 2015 der Verbrauch in Summe um 7 % sank.

„Das Klimabündnis versteht sich als Organisation, die Klimaschutz vermittelt und gemeinsam mit Partnern an nachhaltigen Zielen arbeitet. Umso mehr freut uns, dass sich jedes Jahr auf‘s Neue zeigt, wie sehr sich der Klimaschutz auch für die Unternehmen rechnet,“ so Norbert Rainer, Regionalstellenleiter des Klimabündnis OÖ. „Mit unseren derzeit über 1.000 österreichischen bzw. 600 oberösterreichischen Unternehmen sind wir hierzulande das größte Klimaschutznetzwerk für Betriebe.“

Minus bei Energie bringt CO2-Einsparung: -47 % CO2-Emissionen

Besonders der Bezug von CO2-neutral-produziertem Strom kommt hier zum Tragen. So sind erneuerbare Energien im Stromsegment für Klimabündnis-Betriebe mittlerweile als Standardmaßnahme umsetzbar. Ebenso trägt der Umstieg der Raumheizung auf erneuerbare Energieträger Früchte: So konnte bei 22 % Energieeinsparung eine CO2-Reduktion von 28 % erreicht werden. In Summe haben die im Jahr 2015 evaluierten Betriebe eine Einsparung von 47 % der CO2-Emissionen erreicht.

Diese Zahlen zeigen die unmittelbare Wirkung sanfter Maßnahmen auf die CO2-Einsparung für Betriebe auf. Gleichzeitig verdeutlichen sie den Einfluss des Benutzer/innenverhaltens für den CO2-Ausstoß im jeweiligen Unternehmen: „Unsere Unternehmen tragen den Klimaschutz-Gedanken auch zu ihren Kund/innen und Mitarbeiter/innen. So wird zusätzlich zu den konkreten Einsparungen im Betrieb ein weiterer großer Beitrag für das Weltklima geleistet,“ sagt Norbert Rainer. „In der letztjährigen Evaluierung hat sich gezeigt, dass knapp 84 % der Betriebe den CO2-Ausstoß reduzieren konnten.“

Zwei erfolgreiche Beispiele von Klimabündnis-Betrieben:

Krankenhaus Braunau, Umweltcenter Raiffeisenbank Gunskirchen

Zwei der im Jahr 2015 evaluierten Klimabündnisbetriebe sind das Krankenhaus Braunau und die Raiffeisenbank Gunskirchen. Das Krankenhaus Braunau wurde 2012 Klimabündnis-Betrieb und 2015 erstmalig evaluiert. Aufgrund der Größe hat das Krankenhaus Braunau 2015 nominal den größten Beitrag an CO2-Einsparungen unter den Klimabündnisbetrieben in OÖ geleistet, u.a. durch die Umstellung auf Ökostrom.

Die Raiffeisenbank hat mit dem Umweltcenter Gunskirchen einen Geschäftszweig entwickelt, welcher sich speziell auf ökologische Geldanlagen spezialisiert hat, etwa auch das erste Girokonto in Österreich in diesem Segment. Somit ist das Umweltcenter ein Vertreter jener Klimabündnis-Betriebe, welche die Klimabündnis-Idee auch auf ihre Produkte ausweiten und entsprechende Pionierarbeit leisten.

„Klimaschutz braucht Innovation, denn Innovation ist auch ein Wettbewerbsvorteil!“, ist Norbert Rainer überzeugt.

Beispiel: Krankenhaus St. Josef in Brauau

Das A.ö. Krankenhaus St. Josef in Braunau ist seit 1935 ein Ordensspital der Franziskanerinnen von Vöcklabruck; mit folgenden Kerndaten: ca. 390 Betten, 1.400 Mitarbeiter/innen, 27.000 stationäre und 45.000 ambulante Patient/innen, 55.000m² Fläche

Umweltschutz hat bei uns eine lange Tradition. Bereits seit 1990 gibt es ein Energiemonitoring und 1994 wurde der Umweltschutzpreis für das Abfallentsorgungskonzept überreicht.

Im neu überarbeiteten Leitbild wurde der Umweltschutz 2016 erneut festgehalten, ein sorgsamer und sparsamer Umgang mit der Umwelt und den zur Verfügung stehenden Ressourcen ist dem Krankenhaus wichtig.

Abgeleitet von diesem Leitbild und als Anregung vom Klimabündnis, wurde ein „Energiepolitisches Leitbild“ festgelegt.

Bereits seit 2011 arbeitet das A.ö. Krankenhaus St. Josef in Braunau mit dem Klimabündnis sehr erfolgreich zusammen und ist Klimabündnispartner. Die hauptsächlichen Gründe dafür: bessere Vernetzung, Best Practice, Wissenstransfer, Unterstützung einer sehr guten Idee.

Derzeitige Herausforderungen im Krankenhaus Braunau:

-Niedriger Energiepreis und damit sehr lange Amortisationen (2015 Energiepreise minus ca. 5 %)

-Motivation der Mitarbeiter/innen

-Finanzierungsmöglichkeiten durch Budgetknappheit

-Zusätzliche Klimatisierungen

-Steigender Stromverbrauch durch EDV und elektrische Geräte

Beispiel für Errungenschaften im Klimaschutz:

-Energieaudit und Energieeffizienzmaßnahmen 2015 erfüllt

-Anteil an fossilen Energieträgern ist 2015 am geringsten seit den Aufzeichnungen von 1990 (ca. 45 %). Flächen wurden in dieser Zeit um 40 % gesteigert

-Reduktion CO2 seit 2009 um 35 % auf 2.500 Tonnen

-Reduktion des Wasserverbrauches seit 2009 um 30 % auf 55.000m³

Weitere Ziele und Vorhaben:

-Neubau der Heizzentrale in Planung: Energieträger wären zum Großteil erneuerbar

-Energieautonomie 2020

-Zertifizierung unseres neu zu errichtenden Gebäudeteiles B10 (z.B. Klima:aktiv)

-Mobilitätsprojekt

-Adiabate Befeuchtung

-Neues Dampfversorgungskonzept

Umweltcenter Gunskirchen setzt als Klimabündnisbetrieb auf Nachhaltigkeit

Bereits seit Gründung des Umweltcenters der Raiffeisenbank Gunskirchen ist die Bank auch Klimabündnisbetrieb. Mit dem Umweltcenter investiert die Raiffeisenbank Gunskirchen ausschließlich in nachhaltige Projekte, welche zum Ziel haben, dem Erhalt der Umwelt und dem Klimaschutz zu dienen. Auch die Schwerpunkte der Banktätigkeiten des Umweltcenters sind dahingehend ausgerichtet und liegen in den Bereichen des ökologischen Bauens, dem Ausbau der Sonnen-, Wind- und Wasserkraft sowie der Förderung von Biomassegasanlagen und der biologischen Landwirtschaft.

Investitionen in die Umwelt

In den Jahren von 2011 bis 2014 wurden mit internen Maßnahmen 13.420 kg CO2 eingespart, dies entspricht einer Reduzierung um 34 %. Konkrete Projekte sind zum Beispiel die Installierung einer energieeffizienten Beleuchtung, der Einkauf von biologischen Fair Trade Produkten sowie eine gratis Bio-Obstkiste für alle Mitarbeiter/innen. Die Prinzipien und Ziele des Klimaschutzes wurden auch im Um- und Zubau der Bank, welcher komplett in Holzbauweise mit ökologischen Dämmstoffen errichtet wurde, berücksichtigt. In der Fassade und am Dach wurden Photovoltaikelemente eingebaut (32 kWp), die die Hälfte des Stromverbrauchs der Raiffeisenbank decken. Ergänzend wurden zwei öffentliche E-Ladestationen errichtet, die Außenfassade begrünt und das bestehende Gebäude durch gezielte Eingriffe, wie die teilweise Umstellung auf eine Biomasseheizung, aufgewertet. Die Fertigstellung erfolgte Ende 2015.

Mehr als die Hälfte der Emissionen der Bank entfallen auf den Bereich der Mobilität. Um auch hier verstärkt nachhaltig und ökologisch zu agieren, wurde die verpflichtende Nutzung eines E-Cars des lokalen E-Car-Sharing Projekts für Dienstfahrten ausgesprochen.

Die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen liegen in der Veränderung von Verhaltensmustern. Jeder einzelne kann einen Beitrag für eine saubere Umwelt leisten. Sei es der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad oder das Abschalten von Bildschirmen in der Pause. Aktiv mitmachen und nachdenken ist das Gebot der Stunde.

Aber nicht nur interne und regionale Projekte sind dem Umweltcenter Gunskirchen ein Anliegen. Die grüne Bank im Herzen Oberösterreichs agiert auch international und unterstützt klimaschonende Maßnahmen und Ziele. So ist die Bank seit Frühjahr 2016 klimaneutral und hilft als Kompensations-maßnahme einem FSC Waldschutzprojekt in Brasilien. Nichtsdestotrotz wird das oberste Ziel auch weiterhin die Reduzierung des CO2-Verbrauches sein. Corporate Social Responsibility wird aktiv gelebt. Alleine im letzten Jahr wurden mit einem Kreditvolumen von 15,2 Millionen Euro (Stichtag 31.12.2015) 5.687 Tonnen CO2 mittels nachhaltiger Projekte und Maßnahmen eingespart.

Geschäftsleiter Dr. Hubert Pupeter: „Die Raiffeisenbank Gunskirchen mit dem Umweltcenter ist Vorbild und Pionier für die gesamte Bankenbranche. So bekommen die Kundinnen und Kunden fair gehandelten Kaffee und Zucker oder einen Bio-Ur-Dinkel-Keks. Teile des Werbematerials der Bank werden klimaneutral auf Recyclingpapier gedruckt. Mittels vieler kleiner Schritte zeigt das Umweltcenter Gunskirchen, dass Klimaschutz längst bürotauglich geworden ist und jedes Unternehmen, gleich ob groß oder klein, seinen Beitrag leisten kann. Das Umweltcenter der Raiffeisenbank Gunskirchen verpflichtet sich mit der Umweltgarantie auch in Zukunft dazu, ausschließlich umweltfreundliche und soziale Projekte mit den Einlagen der umweltbewussten Sparerinnen und Sparer zu finanzieren.“

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